Tango-insieme feiert seine erste CD-Taufe

Basel und der Tango haben in den letzten Jahren immer enger zusammen getanzt. Neben dem Ostertango-Festival und wöchentlichen Milongas für unerschöpfliche Tanzfreunde haben sich auch Tango-Musiker und -Musikerinnen in der Szene einen festen Platz geholt. Das 2000 gegründete Basler Ensemble insieme ist dank seiner besonderen Formation konkurrenzlos geblieben. Seine Besonderheit besteht im Kleinen und die Konzeption im Zusammenwirken von Musik, Solotanz und Poesie. Am 16. November feiert das Tango-Ensemble seine erste CD-Taufe.

"Was ist Tango?" war die Frage. Und dies nicht nur an einem heißen Sommertag im Millenniumsjahr 2000 am Rhein. Vier Musiker und eine Musikerin höcklen beisammen auf dem warmen Stein und schauen aufs Wasser: Der Fluss zieht ewig hinaus nach Norden, und Helvetia hat eben ihren Koffer neben die Bank gesetzt. Es kann Winter werden hinter dem Marronihüsli, aber wer von Süden kommt auf einem langen Marsch zu Fuß behält trotz allem warme Füsse. 2000 haben sich die Berufsmusiker und -musikerinnen (Cristina Rosário [Gesang], Christian Neff [Violine], Roland Senft [Bandoneon], Roger Helou [Piano], Joachim Thönen [Bass]) einen gemeinsamen Namen gegeben - insieme. Dass die Sprache ihres Austauschs nicht aus Worten und ihre Gemeinsamkeit nur darin besteht, nach dieser wortlosen Sprache zu suchen, ist Grund und Ausdruck ihrer Musik.
Nicht nur die Dreisprachigkeit Astor Piazzollas (Tango, Jazz und Klassik) scheint das Geheimnis zu sein, dem die vier Musiker und ihre Sängerin haften geblieben sind. Das Horchen nach dem unhörbaren Ton wie die Suche nach der unsichtbaren Kraft jeder Anziehung, verführt die Musiker seit dem Anfang ihrer musikalischen Nachforschungen an immer neue Ufer. Die Erkundungsreisen durch die Geschichten des Tangos brachte insieme seit 2000 verschiedenste Engagements in der ganzen Schweiz. Aber auch zu Versuchen, gemeinsam mit Modernem Tanz (Regula Wyser) und nach poetischen Texten (Selnich Vivas Hurtado) zu musizieren.
Weder Tango noch insieme sind einfach greifbare Namen. Während der Tanz aus einer seltsamen, aber sanften Berührung entsteht, lebt er weiter im nächsten Schritt oder bei der Drehung im Auseinander- und Fortgehen. Nur wer die Berührung als ein Wesen nimmt, das kommt so wie es sich entzieht, weggeht, um Sehnsucht zu bringen und zurückkehrt, unerwartet, anspruchslos sogar, wenn auch nur scheinbar, aber in einer Anziehung, die keine Steigerung kennt, kann empfinden, was sonst nur getanzt oder gespielt wird: Tango. Tango ist man und kann man werden, sagt Christian Neff, Leiter und Geiger von insieme. Dass er, dieses geheimnisvolle Wesen, sich nicht behandeln lässt wie ein Objekt oder eine Gattung der Musik und eine abgesteckte Form des Tanzes, bedeutet seine schwierigste Anforderung: ihn sich anzueignen und darin aufzugehen ohne sich selbst zu verlieren. Das Gemeinsame (insieme) beim Tanz wie bei der Musik, so gut das von außen begreifbar und beschreibbar ist, meint das Vergessen einer jeden Form im Vollzug und zugleich das sich Auflösen dabei in einer neuen.

Judith Schifferle

CD-Taufe: Donnerstag, 16. November, 18 Uhr/ 19.30 Uhr/ 21.00 Uhr
Ort: "Zwischen-Zeit", Spalenvorstadt 33, Basel