... in der Zwischen-Zeit wird es Frühling
April-Konzert mit Tango insieme
am Donnerstag, 12. April um 20.00 Uhr in der "Zwischen-Zeit", Spalenvorstadt 33 in Basel
Seit ihrer ersten CD-Taufe La Bicicleta Blanca ist kein halbes Jahr vergangen, die CDs schon lange ausverkauft. Für das Basler Tango-Ensemble insieme ist Tango allem stets ein bisschen voraus; der Zeit, weil er sie hinter sich gelassen hat, der Lebensfreude, weil wir ihn oft zu ernst nehmen und den Musikern selbst, die ihm folgen, wie weit auch immer. Am 12. April spielt insieme im Rahmen der Uhren- und Schmuckmesse Basel für die Grenchner Uhrenfirma Fortis. Der Anlass ist öffentlich.
Über weisse Velos sollte man sich nicht mehr wundern. Auch nicht, wenn sie aus dem Ausland kommen. Schon gar nicht, wenn sie einsam am Rheinknie auf unbekannte Lenker warten. Und La Bicicleta Blanca ist auch nur eine Geschichte, die man sich leicht merken und jedem anderen nacherzählen kann. Aber - da war ein Fahrrad, dem genau das zuwenig war. Das ewiggleiche Drehen der Räder und dieses fremdgelenkte Vorwärts. Es sagte Adios und verschwand über dem Ozean ... Die Richtung dürfte klar sein, denn allmählich hat sein Tango Europa und vor allem Basel erreicht.
Im Anschluss an das legendäre Ostertango-Festival spielen die Musiker und Musikerin von Tango insieme für die Firma Fortis im Rahmen der Uhren- und Schmuckmesse Basel den Frühling ein. La Bicicleta Blanca ist zwar nur der Name eines der vielen Stücke, die insieme arrangiert, aber doch das passendste, um auch über die Musiker und Musikerinnen (Cristina Rosario [Gesang], Christian Neff [Violine], Roland Senft [Bandoneon], Roger Helou [Piano], Joachim Thönen [Bass])etwas auszusagen. Vielleicht sind sie leicht verrückt, nur aber eines nicht: Lenker eines Ewiggleichen. Als letzten November (2006) ihre erste CD herausgekommen ist, waren die 300 Exemplare schon am ersten Tag verkauft. Denn das professionelle Ensemble hat trotz oder wegen seiner Kleinheit feine Besonderheiten anzubieten und keine Konkurrenz zu fürchten. Nicht nur die "Dreisprachigkeit" Piazzollas (Klassik, Jazz, Tango), vor allem ihre Experimente mit Tanz (Regula Wyser) und poetischen Texten (gelesen von Selnich Vivas Hurtado) hebt insieme über die Grenzen von Musik und Routine hinweg.
Dass die Sprache ihres Austauschs nicht aus Worten und ihre Gemeinsamkeit nur darin bestehen, nach dieser wortlosen Sprache zu suchen, ist Grund und Ausdruck ihres Spiels.
Die Narrativität seiner Töne, seine Widersprüche im Tanz und nicht zuletzt das Verstummen in den Pausen, um der Musik nachzulauschen, sind die Wunder und Grundfesten des Tangos. Das Horchen nach dem unhörbaren Ton wie die Suche nach seiner Verführungskraft, stellt für die Musiker und ihre Musikerin seit dem Anfang ihres Musizierens, und zum Glück auch weiterhin, ein immer grösser werdendes Rätsel dar. Und nicht zuletzt braucht jedes Überqueren des Ozeans eine immer neue Bahn, denn was einmal war, verschwindet danach unter den Wellen immer neuer Töne.
Judith Schifferle